Unterschiede zwischen Iboga und LSD: Ein Vergleich des Microdosings zweier Halluzinogene
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Viele Nutzer aus der psychedelischen Community berichten von positiven Auswirkungen sogenannter Mikrodosierungen, auch Microdoses genannt.
In diesem Artikel vergleichen wir die afrikanische Pflanze Iboga mit der Substanz, deren Nutzung im Rahmen von Microdosing wohl am gängigsten und bekanntesten ist: LSD.
Wir beantworten die wichtigsten Fragen rund um Wirkung, Nutzen, Risiken und Sicherheit, betrachten die aktuelle Forschungslage zum Thema und blicken auf die rechtliche Lage, um einen umfassenden Überblick über das Microdosing mit LSD bzw. Iboga zu gewinnen.
Viel Spaß beim Lesen des Blogbeitrags!
Hinweis: Alle beschriebenen Inhalte basieren auf wissenschaftlichen Quellen oder subjektiven Erfahrungsberichten und sind nicht als Anleitung oder Empfehlung für den Verzehr von Iboga oder den Gebrauch von LSD zu verstehen.
Beim sogenannten Microdosing werden bewusst sehr kleine Mengen Psychedelika eingenommen, um von deren Nutzen zu profitieren, ohne die typische intensive „Rausch“-Erfahrung eines Trips zu machen. Dabei können sowohl Iboga, als auch LSD eingesetzt werden, um therapeutische Ziele zu verfolgen.
Bei LSD wird oft etwa 1/10 der üblichen Dosis verwendet, die man für einen klassischen Trip nehmen würde – das Ziel ist eine subtilere Wirkungsentfaltung, mit der man weiterhin seinen Alltag meistern kann.
In der Welt von wird beim Microdosing oft sogar unter 1% der Full-Dosing-Menge eingesetzt, um Selbstoptimierung bzw. “selbsttherapeutische” Effekte nutzbar zu machen.
Sowohl LSD als auch Iboga wirken im Gehirn auf die 5-HT2A-Rezeptoren, eine bestimmte Art von Serotoninrezeptoren. Durch die Einwirkung auf diese Rezeptor-Systeme werden beim Menschen Wahrnehmung, Aufmerksamkeit und Empfinden beeinflusst und es kommt zu einer Erhöhung der Plastizität des Hirns.
Trotz dieser Gemeinsamkeit unterscheiden sich LSD und Ibogain in ihrer Wirkung, da beide Substanzen an viele weitere Rezeptoren binden, was ihr Wirkprofil und die daraus resultierenden Trips beeinflusst. Zwar bleiben die typischen Trip-Erfahrungen beim Microdosing aus, aber auch bei diesen niedrigen Dosierungen bemerken User laut ihren Erfahrungsberichten die substanztypischen Unterschiede.
Der Wirkeintritt erfolgt laut Aussagen von Nutzern bei LSD nach 30-90 Minuten, bei Iboga nach 1-3 Stunden. Auch hinsichtlich der Wirkungsdauer unterscheiden sich die beiden Substanzen, wenn man den Berichten microdosingerfahrener Psychonauten glaubt: Während der LSD-Konsum nur 6-10 Stunden deutliche Effekte zeigt, wirkt Ibogain durchschnittlich 12-36 Stunden. Bei beiden Psychedelika sind Nachwirkungen nach der Einnahme, der sogenannte "psychedelic Afterglow" zu erwarten – und im Rahmen von Microdosing auch eindeutig erwünscht.
Lysergsäurediethylamid gilt als eines der bekanntesten Halluzinogene, das LSD Konsumenten bereits seit den 1960er Jahren inspiriert. Mit dem weltweiten Verbot des Psychedelikums gingen sowohl privater LSD-Konsum, als auch die wissenschaftliche Forschung stark zurück, weswegen aktuell keine ausreichende Datenlage zum Gebrauch unterschiedlicher Dosierungen vorliegen. Die vorhandenen Studien sind begrenzt, die wenigen kontrollierten Placebo-Studien der letzten Jahre liefern bislang keine eindeutigen, langfristigen Belege für die vermeintlichen Vorteile des LSD-Microdosings außerhalb streng therapeutischer Settings. Klar ist, dass der LSD-Konsum seine Wirkung im Gehirn über die Interaktion mit Serotoninrezeptoren entfaltet, was die besonderen Eigenschaften der Droge sowohl beim High-Dosing als auch bei Microdoses erklärt.
LSD-Microdosing wird von Nutzern oft mit gesteigerter Konzentration, mehr Kreativität oder einem erhöhten Leistungsvermögen in Verbindung gebracht. Einige Anwender berichten von einer „klareren Wahrnehmung“, weniger mentaler Verspannung und mehr Fokus.
Beim Iboga-Microdosing treten laut Nutzerberichten subtile Veränderungen auf, die weniger mit einem täglichen Leistungsboost zu tun haben, sondern mit „innerer Arbeit“, emotionaler Balance und einer tieferen Auseinandersetzung mit sich selbst in Zusammenhang stehen.
Im Gegensatz zu Erfahrungen mit hohen Iboga-Dosen sollen, Erfahrungsberichten zufolge, bei der Einnahme von Mikrodosierungen keine Halluzinationen auftreten. User erzählen von gesteigerter Aufmerksamkeit und dem gezielten Einsatz kleiner Iboga-Mengen, um persönliche Krisen oder Herausforderungen besser bewältigen zu können.
Wissenschaftliche Ergebnisse legen nahe, dass Ibogain, der Hauptwirkstoff in der Tabernanthe iboga-Pflanze aus Zentralafrika, in der Suchtbekämpfung bei der Linderung von Entzugssymptomen eine bedeutende Rolle spielen könnte. Auch eine mögliche Reduktion von Cravings bei Alkohol- und Drogensucht sowie die Abmilderung von Symptomen bei psychischen Erkrankungen als Unterstützung zur Psychotherapie werden von Pharmakologen als potenzieller therapeutischer Effekt diskutiert. Pharmakologische Daten weisen darauf hin, dass der Wirkstoff aus dem Iboga-Strauch bei der Therapie mentaler Erkrankungen wie Major Depression, pathologischen Ängsten und posttraumatischen Belastungsstörungen (PTBS) unter bestimmten Voraussetzungen unterstützend wirken könnte.
Da in Deutschland aktuell kein Medikament mit Iboga bzw. Ibogain zugelassen ist, darf medizinisches Personal allerdings keine Behandlung oder Psychotherapie mit diesen Substanzen durchführen.
Beide Substanzen bergen Unsicherheiten – auch beim Microdosing.
Bei dem vollständig im Labor hergestellten LSD bzw. seinen legalen Derivaten sind genaue Dosierungen durch exakte Wirkstoff-Mengenangaben möglich; es besteht allerdings immer das Risiko von fehlerhaften Verdünnungen oder anderen Dosierungsfehlern. Weiterhin fehlen ausführliche Langzeitdaten über alle Effekte beim Microdosing, mögliche Wechselwirkungen mit anderen Substanzen oder Arzneimitteln und Risiken bei bestimmten Vorerkrankungen.
Iboga ist rein pflanzlich, aber pharmakologisch komplex. Auch in sehr kleinen Dosierungen wirkt Ibogain auf das Nervensystem sowie das Herz-Kreislauf-System und kann, je nach Person, unterschiedlich starken Einfluss nehmen.
Die medizinische Forschung deutet auf ein großes Potenzial von Iboga hin, gleichzeitig warnt so manche Forschungsgruppe von Pharmakologen vor nicht überwachten Anwendungen, da Ibogain sich nachteilig auf den Herzrhythmus auswirken kann und weil gefährliche Wechselwirkungen mit anderen Substanzen möglich sind.
Die Frage nach der rechtlichen Lage von Psychedelika ist eine der brennendsten Fragen, die sich Interessenten immer wieder stellen.
Die gute Nachricht zuerst: Sowohl der Tabernanthe iboga-Strauch, als auch dessen wichtigstes Alkaloid Ibogain sind in Deutschland nicht reguliert, das heißt: Jeder Interessierte kann Iboga legal für den privaten Gebrauch, beispielsweise als Tinktur, erwerben, ohne rechtliche Folgen befürchten zu müssen.
LSD hingegen ist in Deutschland seit Jahrzehnten verboten, aber es kommen immer wieder legale Derivate der Substanz als sogenannte Forschungschemikalien auf den Markt. Diese Research Chemicals können für wissenschaftliche Zwecke legal erworben werden und dienen Forschenden häufig als Ersatz für illegale Halluzinogene wie LSD.
Während LSD-Microdosing vor allem im Rahmen von Selbstoptimierung und Privatgebrauch diskutiert wird, bekommt Iboga zunehmend Interesse im wissenschaftlich-medizinischen Kontext, zum Beispiel durch Pharmafirmen. Der Wirkstoff Ibogain wird hinsichtlich seiner Einsatzmöglichkeiten bei Suchtproblematiken (z. B. Opiate, Alkohol, Drogen) und psychischen Erkrankungen untersucht, wobei aktuelle Studienergebnisse auf ein hohes therapeutisches Potenzial hinweisen.
Aber: Beide Ansätze sind noch nicht vollständig wissenschaftlich abgesichert. Insbesondere beim Iboga-Microdosing ist die Forschung noch jung und stark abhängig von kontrollierten Studien, um Sicherheit und Wirksamkeit langfristig einschätzen zu können.
Doch für Ibogain, LSD, Psilocybin und andere Psychedelika gibt es dank der "Psychedelischen Renaissance" in den letzten Jahren neuere, vielversprechende Studien, deren Ergebnisse allerdings noch nicht in einem breiten, rechtlich sicheren Rahmen auf eine große Gruppe von Patienten anwendbar sind.
Für Alltagsoptimierung (Konzentration, Kreativität, geringeres Stresslevel) könnte LSD-Microdosing interessanter sein – mit der Einschränkung: Die wissenschaftliche Basis ist noch begrenzt und die Substanz ist, im Gegensatz zu Iboga, in Deutschland illegal.
Für tiefergehende, selbsttherapeutisch-orientierte Nutzung scheint Iboga näher zu liegen, vor allem bei Menschen, die sich mit einem Drogenentzug oder einem spirituell-psychologischen Wachstum auseinandersetzen wollen. Das Problem hierbei: Iboga bzw. Ibogain sind in Deutschland nicht als Arzneimittel zugelassen und dürfen von Ärzten und Therapeuten nicht in Behandlungen oder im Rahmen einer Psychotherapie eingesetzt werden.
Medizinische Sicherheitsaspekte bei LSD & Iboga: Wegen der Auswirkungen beider psychedelischer Substanzen auf das Herz-Kreislauf-System sollte vor der Verwendung aus Sicherheitsgründen eine ärztliche Untersuchung stattfinden.
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