1S-LSD und 1BP-LSD: Unterschiede und Gemeinsamkeiten im Vergleich - MODERNmind | Psychedelics & Retreats für dein Wohlbefinden

1S-LSD und 1BP-LSD: Unterschiede und Gemeinsamkeiten im Vergleich

Written by: Natascha

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1S-LSD und 1BP-LSD zählen zu einer relativ neuen Generation von LSD-Derivaten, die vor allem im Umfeld von Forschung, Szene, rechtlichen Grauzonen und neuen psychoaktiven Substanzen diskutiert werden.

Beide Verbindungen basieren auf dem gleichen lysergamiden Grundgerüst, unterscheiden sich jedoch in der chemischen Modifikation am Indolstickstoff. Diese strukturellen Unterschiede haben nicht nur rechtliche, sondern auch pharmakologische und praktische Auswirkungen.


Erfahrungsberichte und theoretische Überlegungen legen nahe, dass sich Wirkung, Stabilität und Umwandlung im Körper in Nuancen unterscheiden können. Ein genauer Vergleich von Gemeinsamkeiten und Unterschieden hilft dabei, 1S-LSD und 1BP-LSD sachlich einzuordnen und voneinander abzugrenzen.

Viel Spaß beim Lesen des Artikels!


Hinweis: 1S-LSD und 1BP-LSD sind nicht für den menschlichen Verzehr bestimmt. Alle beschriebenen Inhalte basieren auf wissenschaftlichen Quellen oder subjektiven Erfahrungsberichten und sind nicht als Anleitung oder Empfehlung zu verstehen.

Unterschiede 1S-LSD & 1BP-LSD

Das Katz-und-Maus-Spiel mit den LSD-Analoga

Die Drogenpolitik Deutschlands zielte mit der Einführung des Neue-psychoaktive-Stoffe-Gesetzes (NpSG) im Jahr 2016 darauf ab, die Verbreitung immer neuer Research Chemicals einzudämmen. Hierfür werden durch Verordnungen immer mehr Substanzen und Substanzvarianten auf die Liste der Verbote aufgenommen.


Tatsächlich hat sich dieser Versuch des Bundesgesundheitsministeriums, den Missbrauch und Konsum von Drogen, Research Chemicals sowie Betäubungsmitteln einzudämmen, zu einem Wettrennen zwischen psychedelischer Forschung und dem Gesetzgeber entwickelt.

So wurden in der Vergangenheit schon zahlreiche LSD-Derivate verboten, wie zum Beispiel 1D-LSD, 1T-LSD, 1V-LSD, 1cP-LSD und 1B-LSD. Dafür kam für jede verbotene LSD-Variante eine neue legale Substanz auf den Markt, die den Derivat-LSD-Konsum wieder straffrei möglich machte.

Unterschiede 1S-LSD & 1BP-LSD

Die rechtliche Lage

Der Rechtsstatus von 1S-LSD

Die letzte Novelle der Bundesregierung, die im NpSG niedergeschrieben wurde, betraf im November 2025 das Verbot von 1S- und 1SB-LSD. Beide Substanzen sind folglich nach aktuellem Stand (12/2025) in Deutschland illegal.

Der Rechtsstatus von 1BP-LSD

1BP-LSD ist das aktuell neueste, auf dem Markt verfügbare LSD-Derivat. Es wurde als Reaktion auf die im November 2025 beschlossene Novelle des NpSG veröffentlicht und ist nach aktuellem Stand (12/2025) in Deutschland legal verfügbar, da es weder vom Neue-psychoaktive-Stoffe-Gesetz (NpSG), noch vom Betäubungsmittelgesetz (BtMG) oder Arzneimittelgesetz erfasst wird.

Unterschiede 1S-LSD & 1BP-LSD

Wie wirkt ein LSD-Derivat eigentlich?

Die Wirkung von LSD-Derivaten wie 1BP-LSD, 1P-LSD, 1V-LSD oder 1S-LSD ähnelt im Wesentlichen den Wirkmechanismen der Grundsubstanz Lysergsäurediethylamid (LSD). Die Derivate werden von fachkundigen Chemikern so konstruiert, dass sie als Prodrugs von LSD fungieren.


Das bedeutet, dass das LSD-Analogon im Körper durch unterschiedliche Prozesse zu LSD verstoffwechselt wird und im Wesentlichen auch dessen Wirkung hat. Durch zusätzliche Seitenketten und Atome ist es möglich, dass der Eintritt der Wirkung etwas verzögert wird.

LSD-Derivate binden nach ihrer Verstoffwechselung an bestimmte Rezeptoren im Gehirn. Durch ihre Interaktion mit dem 5-HT2A-Serotonin-Rezeptor entsteht der für Halluzinogene typische Rausch, der sogenannte "Trip", mit Veränderungen des Bewusstseins und der Wahrnehmung.


Schlimmstenfalls kann es zu als unangenehm wahrgenommenen, vorrübergehenden Erlebnissen kommen, die von Konsumenten oft als "Horrortrip" bezeichnet werden.

Unterschiede 1S-LSD & 1BP-LSD

LSD-Derivate aus der Perspektive der Chemie

Was ist 1S-LSD aus chemischer Sicht?

1S- bzw. 1-(3-(trimethylsilyl)propionyl)-LSD ist eine Forschungschemikalie, bei der an ein Stickstoffatom im Indolring (N1) eine kleine Seitenkette angeheftet wird, die aus einer Trimethylsilyl-haltigen Propionylgruppe besteht.

Durch diesen zusätzlichen Anhang entsteht schließlich das Molekül 1S-LSD, das sich chemisch von LSD unterscheidet, im Körper aber wieder in die bekannte Ausgangssubstanz übergehen kann.

Unterschiede 1S-LSD & 1BP-LSD
Chemische Strukturformel von 1S-LSD

Was ist 1BP-LSD aus chemischer Sicht?

Die neuartige Forschungschemikalie 1BP-LSD bezeichnet als Abkürzung die Substanz (6aR,9R)-N,N-diethyl-7-methyl-4-(4-(4,4,5,5-tetraethyl-1,3,2-dioxaborolan-2-yl)benzoyl)-4,6,6a,7,8,9-hexahydroindolo[4,3-fg]quinoline-9-carboxamide. 

Wie bei zahlreichen zuvor verfügbaren LSD-Analoga ist auch bei 1BP-LSD die zusätzliche Seitenkette über eine Amidbindung an das Grundmolekül gekoppelt. Die Besonderheit dieser Verbindung liegt jedoch in der chemischen Zusammensetzung dieser Modifikation: Am Indolstickstoff befindet sich eine Seitenkette, die einen borhaltigen Heterozyklus umfasst. Damit unterscheidet sich 1BP-LSD strukturell von früheren Derivaten durch das enthaltene Bor-Atom in der Seitenkette.

Unterschiede 1S-LSD & 1BP-LSD
Chemische Strukturformel von 1BP-LSD

Fazit: Research Chemicals und ihre Bedeutung

Forschungschemikalien wie 1cP-LSD, 1SB-LSD oder 1BP-LSD sind die Reaktion auf die weltweite Drogenpolitik. Ihre Entwicklung folgt dem "legal-by-design"-Prinzip, das bei der Herstellung nicht Aspekte der Pharmakologie in den Vordergrund stellt, sondern das Ziel hat, eine legale Substanz zu entwickeln.

Um immer wieder eine Substanz zu entwickeln, die aktuelle Gesetze umgeht, wird die grundlegende Struktur eines Moleküls angepasst, ohne dass dabei seine ursprüngliche Wirkung gravierend verändert wird ‒ und es entstehen Forschungschemikalien wie 1BP-LSD.


Diese Findigkeit von Chemikern ermöglicht es der psychonautischen Szene und anderen interessierten Personen, psychedelische Effekte von Halluzinogenen ohne den Konsum einer illegalen Droge zu erforschen.

Chemische Strukturformel von 1S-LSD

Quellen

  • Tanaka R., Kawamura M., Mizutani S., Kikura-Hanajiri R. (2023). Identification of LSD analogs, 1cP-AL-LAD, 1cP-MIPLA, 1V-LSD and LSZ in sheet products. Forensic Toxicol. 2023 Jul;41(2):294-303. doi: 10.1007/s11419-023-00661-1.

  • Vargas M. V., Dunlap L. E., Dong C., Carter S. J., Tombari R. J., Jami S. A., Cameron L. P, Patel S. D., Hennessey J. J., Saeger H. N., McCorvy J. D., Gray J. A., Tian L., Olson D. E.(2023). Psychedelics promote neuroplasticity through the activation of intracellular 5-HT2A receptors. Science. 2023 Feb 17;379(6633): 700-706. doi: 10.1126/science.adf0435.

  • Brandt S. D., Kavanagh P. V., Gare S., Elliott S. P., Stratford A., Halberstadt A. L. (2025). Analytical and Pharmacological Characterization of 1-(Furan-2-Carbonyl)-LSD (1F-LSD) and Comparison With 1-(Thiophene-2-Carbonyl)-LSD (1T-LSD). Drug Test Analy. 2025 Aug;17(8): 1283-1293. doi: 10.1002/dta.3829.


Natascha

ist Philologin und Archäologin und fasziniert davon, wie psychedelische Substanzen seit Jahrhunderten die menschliche Kulturgeschichte beeinflussen. Später führte sie ihr Weg ins Psychologiestudium, wo ihre Neugier auf die therapeutischen Möglichkeiten von Psychedelika noch stärker wurde. Heute begeistert sie vor allem die Frage, welches Potenzial diese besonderen Moleküle für Therapien, Wachstum, Selbstentfaltung und die Entwicklung unserer Persönlichkeit bereithalten.