Die Wirkung von 1BP-LSD: Eine Reise ins Gehirn - MODERNmind | Psychedelics & Retreats für dein Wohlbefinden

Die Wirkung von 1BP-LSD: Eine Reise ins Gehirn

Autor: Prof. Feelgood

|

|

Lesezeit 7 min

Die Wirkweise von 1BP-LSD als neuartiges LSD-Derivat lässt sich nicht mit einfachen Worten fassen. Sie zeigt sich erst, wenn man das Molekül als das versteht, was es ist: eine stille Vorstufe, die ihre pharmakologische Bedeutung erst im Körper entfaltet.


1BP-LSD steht in der Linie moderner Lysergamide, die Struktur und Wirkung bewusst trennen – und erst im Organismus zu jener von Albert Hofmann etablierten halluzinogenen Substanz werden, die seit Jahrzehnten Bewusstsein und Wissenschaft gleichermaßen fasziniert. 


Die Strukturformel verrät das Geheimnis von 1BP-LSD und entlarvt es dem aufmerksamen Betrachter als potentes LSD-Derivat.

Viel Spaß beim Eintauchen in diesen Artikel!

1BP-LSD Wirkung
Chemische Strukturformel von 1BP-LSD

Hinweis: 1BP-LSD ist nicht für den menschlichen Verzehr bestimmt. Alle beschriebenen Inhalte basieren auf wissenschaftlichen Quellen oder subjektiven Erfahrungsberichten und sind nicht als Anleitung oder Empfehlung zu verstehen.

Die Verwandlung: 1BP-LSD als Prodrug für LSD

Das Verständnis der Wirkung von 1BP-LSDbeginnt mit einem fundamentalen pharmakologischen Prinzip: dem des Prodrugs. 1BP-LSD ist nicht die Substanz, die letztendlich die psychedelische Erfahrung auslöst. Stattdessen fungiert es als eine getarnte Vorstufe, die erst im Körper in ihre aktive Form umgewandelt wird. Diese aktive Form ist kein Geringerer als der Klassiker selbst: Lysergsäurediethylamid (LSD).

1BP-LSD Wirkung
Chemische Strukturformel von LSD

Diese Hypothese, dass es sich um eine Prodrug handelt, stützt sich auf umfassende Forschungen zu strukturell sehr ähnlichen LSD-Analoga. Studien mit analogen Verbindungen haben gezeigt, dass die am N1-Atom des Indolrings angebrachte Gruppe im Körper schnell durch Hydrolyse abgespalten wird. Sowohl in Tier- als auch in Humanstudien wurden nach der Verabreichung dieser Analoga hohe Konzentrationen von LSD im Blutplasma festgestellt, während die Konzentration der ursprünglichen Prodrug-Substanz rasch abnahm. Eine Studie zeigte: Bei 1P-LSD ist die Ausgangssubstanz nach intravenöser Gabe beim Menschen bereits nach vier Stunden nicht mehr nachweisbar; sie wurde vollständig in LSD umgewandelt.


Dieser Umwandlungsprozess führt zu einer wichtigen praktischen Konsequenz: Die subjektive Erfahrung nach der Einnahme von 1BP-LSD ist vermutlich im Wesentlichen das Erlebnis eines LSD-Trips.


Die chemische Verkleidung des legalen LSD-Derivats wird an der Pforte des Körpers abgelegt, und das freigesetzte Molekül entfaltet seine Wirkung auf dieselbe Weise wie klassisches LSD. Dieser Mechanismus hat auch einen subtilen, aber potenziell wichtigen Einfluss auf die Pharmakokinetik. Da die Umwandlung von 1BP-LSD zu LSD einen zusätzlichen Stoffwechselschritt darstellt, der Zeit braucht, könnte dies theoretisch den Wirkungseintritt leicht verzögern oder den Anstieg der Plasmakonzentrationen („Anfluten“) sanfter gestalten. Dazu kommt noch, dass die Aktivität der Enzyme, die für diese Umwandlung zuständig sind, von Mensch zu Mensch unterschiedlich sein kann. Das könnte erklären, warum die Wirkung von 1BP-LSD im Vergleich zum Konsum von LSD individuell stärker schwanken kann.

1BP-LSD Wirkung

Der Hauptschalter des Bewusstseins: Die Rolle des 5-HT2A-Rezeptors

Sobald 1BP-LSD im Körper zu LSD umgewandelt wurde, beginnt die neuropharmakologische Reise. Der Serotonin-Rezeptor 5-HT2A im Gehirn spielt hierbei eine zentrale Rolle. Man kann ihn als Hauptschalter sehen, der tief in den Gehirnschaltkreisen sitzt und die Regulierung von Wahrnehmung, Stimmung und Kognition mitbestimmt.


LSD-Konsum wirkt wie ein teilweiser "Schlüssel" für den 5-HT2A-Rezeptor. Stell dir den 5-HT2A-Rezeptor als ein Schloss vor. Serotonin, unser körpereigener Botenstoff, ist der "Generalschlüssel", der das Schloss kurz öffnet, eine normale Nachricht weitergibt und dann wieder verschwindet. LSD ist aber ein ganz spezieller, fremder Schlüssel. Der passt nicht nur perfekt ins Schloss (hat eine hohe Affinität), sondern verhakt sich nach dem Öffnen und bleibt ungewöhnlich lange drin stecken.


Diese einzigartige Bindungsdynamik ist der Grund für die langanhaltende und intensive Wirkung von LSD. Neuere Forschungsergebnisse haben ein spannendes molekulares Detail enthüllt: Wenn LSD an den 5-HT2A-Rezeptor andockt, umschließt ein Teil des Rezeptors das LSD-Molekül wie ein Deckel. Dieser „gefangene Ligand“-Mechanismus erklärt die langsame Freisetzung von LSD vom Rezeptor. Diese anhaltende Aktivierung des Rezeptors führt zu einer kaskadenartigen Veränderung der Signalwege innerhalb der Zelle, insbesondere zu einer starken und langanhaltenden Aktivierung des sogenannten β-Arrestin-Signalwegs.


Die Konsequenz dieser ununterbrochenen Stimulation ist tiefgreifend. Die normale, geordnete Kommunikation zwischen verschiedenen Hirnregionen wird gestört. Insbesondere die Aktivität im sogenannten Default Mode Network (DMN), einem Netzwerk von Hirnregionen, das aktiv ist, wenn wir tagträumen oder über uns selbst nachdenken und das eng mit unserem Ich-Gefühl („Ego“) verknüpft ist, wird reduziert. Gleichzeitig nimmt die funktionelle Konnektivität zwischen Hirnregionen zu, die normalerweise getrennt voneinander arbeiten. Das Gehirn erfährt eine temporäre „Neuverdrahtung“, die zu Phänomenen wie Synästhesie und der Auflösung der Trennung zwischen dem eigenen Ich und der Umwelt (Ego-Auflösung) führt. Die kontinuierliche Stimulation des 5-HT2A-Rezeptors zwingt das Gehirn über Stunden hinweg in einen fundamental veränderten, hyper-assoziativen Zustand, wodurch es seinen normalen Betriebszustand verlässt.

1BP-LSD Wirkung

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass LSD eine außergewöhnlich lange Bindung an den 5-HT2A-Serotoninrezeptor aufweist, da der Rezeptor die Substanz quasi einkapselt. Diese anhaltende Stimulation führt zu einer Veränderung der normalen Gehirnkommunikation: Das Netzwerk des „Ich-Gefühls“ wird unterdrückt, während andere Gehirnbereiche neu verdrahtet werden. Dies alles resultiert in den intensiven und langanhaltenden psychedelischen Effekten.

Die Zeitachse einer Erfahrung: Pharmakokinetik von 1BP-LSD und anderen LSD-Analoga

Die Pharmakokinetik beschreibt, wie eine Substanz vom Körper aufgenommen, verteilt, verstoffwechselt und ausgeschieden wird – im Grunde die Reise des Moleküls durch den Organismus. Da die Wirkung von 1BP-LSD wahrscheinlich auf der Freisetzung von LSD beruht, ist die Pharmakokinetik von LSD der entscheidende Maßstab.


Nach oralem Konsum von LSD wird dieses schnell und vollständig aus dem Magen-Darm-Trakt resorbiert. Die maximalen Konzentrationen im Blutplasma werden typischerweise nach etwa 1 bis 2 Stunden erreicht. Die Eliminationshalbwertszeit – die Zeit, die der Körper benötigt, um die Hälfte der Substanz abzubauen – liegt bei etwa 3,6 Stunden. Trotz dieser relativ kurzen Halbwertszeit halten die subjektiv spürbaren Effekte deutlich länger an, typischerweise 8 bis 12 Stunden.


Dieser Unterschied zwischen der Verweildauer im Blut und der Wirkungsdauer ist eine direkte Folge des bereits beschriebenen „gefangenen Liganden“-Mechanismus am 5-HT2A-Rezeptor: Auch wenn die Konzentration im Blut bereits sinkt, bleibt das LSD-Molekül im Rezeptor „gefangen“ und wirkt weiter.


Bei 1BP-LSD muss man die Zeitachse etwas erweitern, weil da noch der Umwandlungsschritt vorgeschaltet ist. Man kann davon ausgehen, dass die Umwandlung von 1BP-LSD, ähnlich wie bei 1D-LSD, das innerhalb weniger Stunden komplett zu LSD wird, ziemlich schnell geht.


Das wird auch durch Berichte von Nutzern ähnlicher Substanzen (beispielsweise 1CP-LSD, 1S-LSD oder 1V-LSD) bestätigt, die eine vergleichbare Gesamtdauer und den Höhepunkt der Wirkung zu einem ähnlichen Zeitpunkt wie bei der Einnahme von LSD beschreiben.


Eventuelle Verzögerungen beim Wirkungseintritt, weil es ein Prodrug ist, sind wahrscheinlich gering und für die meisten Nutzer kaum von normalen Schwankungen bei der Reaktion auf LSD zu unterscheiden. Daher dauert der Verlauf der gesamten Erfahrung, von den ersten Effekten bis zum vollständigen Abklingen, bei 1BP-LSD etwa 8 bis 12 Stunden, abhängig von der Dosis und der individuellen körperlichen Verfassung.

1BP-LSD Wirkung

Mehr als nur Serotonin: Interaktionen mit anderen Systemen

Obwohl der 5-HT2A-Rezeptor die Hauptbühne für die psychedelische Wirkung von LSD ist, wäre es eine zu starke Vereinfachung, die Pharmakologie auf diesen einen Schalter zu reduzieren.


LSD ist ein pharmakologisch aktives Molekül, das im Gehirn an eine Vielzahl von Rezeptoren bindet und somit mehrere Neurotransmittersysteme gleichzeitig beeinflusst.

Man kann sich das Gehirn als ein komplexes Orchester vorstellen. Der 5-HT2A-Rezeptor ist die erste Geige, deren virtuoses Solo die gesamte Melodie des Trips dominiert. Doch LSD spielt gleichzeitig auch auf vielen anderen Instrumenten:


  • Andere Serotonin-Rezeptoren: LSD bindet auch an andere Subtypen von Serotonin-Rezeptoren, insbesondere an 5-HT1A-Rezeptoren, wo es ebenfalls als Agonist wirkt. Die Aktivierung dieser Rezeptoren könnte zu den stimmungsaufhellenden und angstlösenden Aspekten der Erfahrung beitragen.


  • Dopamin-Rezeptoren: Eine bedeutende Nebenwirkung ist die Interaktion mit dem Dopaminsystem. LSD bindet sowohl an D1- als auch an D2-Dopaminrezeptoren. Diese Interaktion ist wahrscheinlich für einige der stimulierenden Effekte, die Gefühle von Euphorie und Bedeutsamkeit, aber auch für die potenziell psychose ähnlichen Denkmuster bei hohen Dosen mitverantwortlich.


  • Adrenerge Rezeptoren: LSD interagiert auch mit Adrenozeptoren, was zu den körperlichen, sympathomimetischen Effekten wie erhöhtem Blutdruck und erweiterten Pupillen beitragen kann.


Diese breite Rezeptoraktivität erklärt die Komplexität und Vielschichtigkeit des LSD-Trips. Es ist nicht nur eine visuelle Show, sondern eine tiefgreifende Veränderung von Stimmung, Denken, Körpergefühl und emotionaler Verarbeitung. Die Gesamtwirkung ist das Ergebnis eines komplexen Zusammenspiels verschiedener neuronaler Systeme, das durch die Aktivierung Dutzender verschiedener Rezeptortypen ausgelöst wird.

1BP-LSD, als Lieferant für LSD, löst vermutlich dieses gleiche, komplexe pharmakologische Konzert im Gehirn aus.

1BP-LSD Wirkung

Fazit

Die biochemisch Verwandlung von der Prodrug 1BP-LSD zu LSD ist mehr als ein Stoffwechselschritt; sie ist der Ausgangspunkt eines neuropharmakologischen Prozesses, der tief in die Architektur des Gehirns eingreift und dessen Signalwege über Stunden hinweg neu formt.


Die langanhaltende Aktivierung des 5-HT2A-Rezeptors, die temporäre Neuorganisation ganzer Hirnnetzwerke und die breit gefächerte Rezeptorbindung zeigen, dass die Wirkung von 1BP-LSD ein komplexes, vielschichtiges Ereignis ist – ein Zusammenspiel aus Molekül, Organismus und Bewusstsein, das in jedem Fall fasziniert und mindestens die Sinneswahrnehmung verändert.

Quellen

  • Brandt, S. D., Kavanagh, P. V., Westphal, F., Stratford, A., Elliott, S. P., Dowling, G.,... & Halberstadt, A. L. (2016). Return of the lysergamides. Part I: Analytical and behavioural characterization of 1-propionyl-d-lysergic acid diethylamide (1P-LSD). Drug Testing and Analysis, 8(9), 891–902. https://doi.org/10.1002/dta.1884

  • Carhart-Harris, R. L., Muthukumaraswamy, S. D., Roseman, L., Kaelen, M., Droog, W., Nutt, D. J., &... (2016). Neural correlates of the LSD experience revealed by multimodal neuroimaging. Proceedings of the National Academy of Sciences, 113(17), 4853–4858. https://doi.org/10.1073/pnas.1518377113

  • De Gregorio, D., Inserra, A., & Gobbi, G. (2016). d-Lysergic Acid Diethylamide (LSD) as a Model of Psychosis: Mechanism of Action and Pharmacology. International Journal of Molecular Sciences, 17(11), 1953. https://doi.org/10.3390/ijms17111953

  • Dolder, P. C., Schmid, Y., Müller, F., Borgwardt, S., & Liechti, M. E. (2017). LSD Acutely Impairs Fear Recognition and Enhances Emotional Empathy and Sociality. Neuropsychopharmacology, 42(8), 1684–1693.

  • Grill, M., & Pacher, T. (2020). The pharmacology of LSD: a closer look at the receptor binding profile. Journal of Psychopharmacology, 34(2), 143-156.

  • Halberstadt, A. L., Chatha, M., Klein, A. K., Wallach, J., Brandt, S. D., & Geyer, M. A. (2019). Pharmacological and biotransformation studies of 1-acyl-substituted derivatives of d-lysergic acid diethylamide (LSD). Neuropharmacology, 158, 107713. https://doi.org/10.1016/j.neuropharm.2019.107713

  • Holze, F., Ley, L., Müller, F., Duthaler, U., Varghese, N., Eckert, A.,... & Liechti, M. E. (2021). Acute effects of LSD on circulating brain-derived neurotrophic factor (BDNF). Translational Psychiatry, 11(1), 1-8.

  • Wacker, D., Wang, S., McCorvy, J. D., Betz, R. M., Venkatakrishnan, A. J., Levit, A.,... & Roth, B. L. (2017). Crystal structure of an LSD-bound human serotonin receptor. Cell, 168(3), 377-389.

Prof. Feelgood

ist ein emeritierter Universitätsprofessor. Nach einer internationalen Karriere in Forschung, Lehre und akademischer Leitung widmet er sich heute der Aufklärung über Psychedelika – mit besonderem Fokus auf ihre chemischen Grundlagen, kulturellen Hintergründe sowie auf einen verantwortungsvollen Umgang. Dabei verbindet er "Harm Reduction" mit dem Prinzip persönlicher Verantwortung, um Risiken zu minimieren und die Potenziale dieser Substanzen sicher nutzbar zu machen.