Die Legalität von Psychedelic Retreats in Deutschland: Alles, was Interessierte wissen sollten - MODERNmind | Psychedelics & Retreats für dein Wohlbefinden

Die Legalität von Psychedelic Retreats in Deutschland: Alles, was Interessierte wissen sollten

Written by: Natascha

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Psychedelische Retreats versprechen ihren Teilnehmern psychedelische Erfahrungen in einer sicheren Umgebung und mit fachkundiger Begleitung. Die dabei verwendete Pflanzenmedizin bzw. die genutzten Psychedelika sollen Menschen helfen, Abstand von ihrem Alltag zu gewinnen, zu mehr Klarheit zu gelangen und ihre Aufmerksamkeit in einem geschützten Rahmen auf ihr Inneres zu lenken.


Wissenschaft und Forschung haben während der letzten Jahre gezeigt, dass Psychedelika wie MDMA, Psilocybin oder LSD das Potenzial besitzen, Therapien bei psychischen Erkrankungen zu unterstützen, indem sie zu Veränderungen der Kommunikation im Gehirn beitragen. Dieser Vorgang heißt Neuroplastizität und hilft Betroffenen, Durchbrüche bei ihrer Erkrankung zu erzielen und neue Perspektiven einzunehmen. 


Dieses Prinzip soll auch bei inneren Reisen und Auszeiten in Form von Psychedelic Retreats genutzt werden.

Während es für klinische Studien Ausnahmegenehmigungen für die Forschung mit eigentlich verbotenen Substanzen wie LSD oder Psilocybin gibt, gelten diese Sonderregelungen nicht für psychedelische Retreats. 


Wie es dennoch möglich ist, dass auch innerhalb Deutschlands vollkommen legale Psychedelic Retreats stattfinden können, verrät der nachfolgende Artikel.

Viel Spaß beim Lesen! 

Was ist eigentlich ein psychedelisches Retreat?

Ablauf der Zeremonie

Ein psychedelisches Retreat kombiniert verschiedene Elemente:


Bei seriösen Anbietern wird nach der Bewerbung des Interessenten geprüft, ob dieser für ein psychedelisches Retreat überhaupt geeignet ist. Hierfür wird bestenfalls ein ausführliches Beratungsgespräch mit einem Screening der Gesundheit durchgeführt, das körperliche Vorerkrankungen und psychische Risiken erkennen und mitdenken soll, damit Teilnehmer eine sichere Erfahrung machen können.


Wurde der Bewerber für das Retreat zugelassen, gibt es in aller Regel eine Vorbereitungsphase, in der man sich durch Gespräche, Reflexion, Aufklärung und oft auch durch körperliche oder meditative Übungen oder eine spezielle Ernährung auf die Erfahrung vorbereitet.


Danach folgt eine Zeremonie oder Session, bei der bewusstseinserweiternde Substanzen zum Einsatz kommen. Begleitet von einem Team aus erfahrenen Facilitatoren, Guides oder Therapeuten kommt es in einem sicheren Setting zu einem Trip, der heilsame oder erkenntnisbringende Erfahrungen ermöglicht.


Im Anschluss sollte eine Phase der Integration stehen — Gespräche, Coaching-Angebote, Nachsorge und Raum für Reflektion und Verarbeitung helfen, das Erlebte zu bearbeiten und in die eigene Geschichte und das Leben zu integrieren.

Legalität von Psychedelic Retreats

Häufig eingesetzte Psychedelika

Psychedelic Retreats in aller Welt nutzen je nach Tradition, Praktiken und Ziel unterschiedliche Substanzen: Von traditioneller Pflanzenmedizin bis hin zu klinisch erforschten Wirkstoffen.


Häufige Kandidaten in diesen Kontexten sind etwa natürliche Psychedelika wie Psilocybin (aus speziellen Zauberpilzen (Magic Mushrooms) oder Trüffeln), Ayahuasca (mit dem enthaltenen DMT), Iboga oder klassische Halluzinogene wie LSD. Auch neuere Derivate und Forschungssubstanzen können Verwendung finden.


Doch: Für jede Substanz spielt der rechtliche Status im jeweiligen Land eine entscheidende Rolle — das gilt auch für Deutschland.

Legalität von Psychedelic Retreats

Die Rechtslage in Deutschland

BtMG und NpSG: Klassische Psychedelika sind verboten

In Deutschland regeln das Neue-psychoaktive-Stoffe-Gesetz (NpSG) und das Betäubungsmittelgesetz (BtMG), welche psychoaktiven Substanzen verboten sind. Klassische Psychedelika wie LSD, Psilocybin (und damit Psilocybin-haltige Zauberpilze oder Trüffel), DMT (z. B. in Ayahuasca enthalten) oder MDMA sind in Anlage I des BtMG gelistet.


Das heißt: Besitz, Handel, Herstellung und Abgabe sind verboten — unabhängig von Menge oder Zweck.


Die Folge: Retreats, die mit diesen Drogen arbeiten, sind in Deutschland grundsätzlich illegal.

Legalität von Psychedelic Retreats

Psychedelic Retreat mit legalen psychedelischen Substanzen

In Deutschland ist der wesentliche Faktor, der über die Legalität eines psychedelischen Retreats entscheidet, wie zuvor bereits erwähnt der Status der dafür verwendeten Psychedelika. 


Während in Ländern wie Mexiko, Peru oder Costa Rica Ayahuasca Retreats angeboten werden, ist dies hierzulande wegen des geltenden DMT-Verbots nicht möglich. Auch die Psilocybin Retreats, die in den Niederlanden mit dort nicht regulierten, psilocybinhaltigen Trüffeln durchgeführt werden, können in Deutschland in der Form nicht angeboten werden. 


Der Weg, den viele Anbieter gehen, die legale Psychedelic Retreats auf bundesdeutschem Gebiet anbieten möchten, führt in aller Regel über ein legales LSD-Derivat oder andere, noch nicht regulierte Forschungschemikalien. Sie eröffnen Möglichkeiten zur Erweiterung des Bewusstseins ohne den Einsatz verbotener Drogen und der damit verbundenen rechtlichen Risiken.


Bei der Anwendung legaler LSD-Derivate, die als sogenannte Prodrugs fungieren, kommt es im Körper zu Stoffwechselprozessen, die aus dem LSD-Derivat Lysergsäurediethylamid machen, wodurch die LSD-typische bewusstseinserweiternde Wirkung auf legalem Wege für die Erfahrung genutzt werden kann.

Legalität von Psychedelic Retreats
Chemische Strukturformel von LSD

Ein Retreat ist keine Therapie

Für die Rechtslage in Deutschland ist zudem die Unterscheidung zwischen einer Therapie und einem Retreat wichtig.


Eine Therapie wird von einem zugelassenen Psychotherapeuten mit entsprechender staatlicher Zulassung durchgeführt, während Retreats theoretisch von jedem angeboten und durchgeführt werden können.


Seriöse Anbieter von Psychedelic Retreats werden darauf achten, dass während der Vorbereitung, des Trips und der Integration Fachleute für eine angenehme Umgebung und die Sicherheit der Teilnehmer sorgen, ohne dabei Heilversprechen abzugeben.

Legalität von Psychedelic Retreats

Fazit

Die Idee eines Psychedelic Retreats als Ort der Heilung, Selbsterkenntnis und inneren Arbeit klingt für viele verlockend. Doch in Deutschland ist die rechtliche Lage klar: Klassische Psychedelika wie LSD, Psilocybin, Meskalin, MDMA oder Ayahuasca sind verboten — und damit auch Retreats, die auf ihnen basieren.


Nur im Rahmen offiziell genehmigter Forschung können solche Substanzen legal genutzt werden. Jeglicher kommerzielle oder private Einsatz bleibt außerhalb dieser Sonderregelungen illegal — und damit mit erheblichem rechtlichen Risiko verbunden.


Wer also ein Psychedelic Retreat in Deutschland in Erwägung zieht, sollte sich gut informieren und einen seriösen Anbieter wählen, der sowohl auf die Legalität der verwendeten Substanzen als auch auf die Sicherheit und fachkundige Betreuung seiner Teilnehmer achtet.


Nur wenn diese hohen Ansprüche an die Qualität erfüllt sind, lässt sich eine Retreat Erfahrung als sicheres Umfeld erleben, in dem echtes Wachstum stattfinden kann.

Legalität von Psychedelic Retreats

Quellen

  • Aicher H. D., Müller, F., Gasser, P. (2025). Further education in psychedelic-assisted therapy - experiences from Switzerland. BMC Med Educ. 2025 Mar 5;25(1):341. doi: 10.1186/s12909-025-06871-y.

  • Maclean B., Wilson A., Allen A., Schaffer V., Kannis-Dymand L. (2025) Ayahuasca Retreats: The Role of Awe and Mystical Experiences in Well-Being. J Psychoactive Drugs. 2025 Apr 16:1-11. doi: 10.1080/02791072.2025.2491378.


Natascha

ist Philologin und Archäologin und fasziniert davon, wie psychedelische Substanzen seit Jahrhunderten die menschliche Kulturgeschichte beeinflussen. Später führte sie ihr Weg ins Psychologiestudium, wo ihre Neugier auf die therapeutischen Möglichkeiten von Psychedelika noch stärker wurde. Heute begeistert sie vor allem die Frage, welches Potenzial diese besonderen Moleküle für Therapien, Wachstum, Selbstentfaltung und die Entwicklung unserer Persönlichkeit bereithalten.