Psychedelic Retreat Erfahrungsbericht: Sebastians Blick hinter seine eigenen Kulissen - MODERNmind | Psychedelics & Retreats für dein Wohlbefinden

Psychedelic Retreat Erfahrungsbericht: Sebastians Blick hinter seine eigenen Kulissen

Written by: Natascha

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Psychedelic Retreats, also Retreats, bei denen die Teilnehmer psychedelische Substanzen zur eigenen Transformation unter Anleitung fachkundiger Tripsitter einnehmen, gewinnen zunehmend an Aufmerksamkeit. Am bekanntesten dürften wohl Ayahuasca Retreats sein, doch auch Zeremonien mit anderen Psychedelika wie Zauberpilzen oder legalen LSD-Derivaten werden von Start Ups und Instituten in Deutschland, den Niederlanden, Portugal oder Lateinamerika angeboten.


Forschungsergebnisse der letzten Jahre deuten darauf hin, dass Substanzen wie Psilocybin, MDMA oder LSD in der Psychotherapie unterstützend eingesetzt werden könnten, um zum Beispiel Patienten mit Depressionen oder anderen psychischen Erkrankungen zu helfen.


Doch wie fühlt sich eine solche Erfahrung wirklich an? In diesem Erfahrungsbericht erzählt der 37-jährige Chemieingenieur Sebastian, wie er als ausgesprochen rational orientierter Mensch in einem Psychedelic Retreat seinen ersten bewussten Zugang zu eigenen Emotionen fand, welche Rolle der professionelle Rahmen dabei spielte und wie diese Erfahrung seinen Blick auf sich selbst nachhaltig verändert hat.

Viel Spaß beim Lesen!

Sebastian stellt sich vor

“Ich heiße Sebastian, bin 37 Jahre alt und arbeite seit fast einem Jahrzehnt als Chemieingenieur in einem großen Unternehmen in Süddeutschland. Mein Alltag ist geprägt von Zahlen, Prozessen, Sicherheitssystemen und dem Anspruch, immer die Kontrolle zu behalten. Das hat mich beruflich weit gebracht, aber es ist stressig, und privat habe ich schon lange gemerkt, dass mir irgendwie etwas fehlt. 


Gefühle waren für mich schon als Teenager eher theoretische Konstrukte als echte Erfahrungen. Ich konnte Dinge verstehen, analysieren, planen – aber nicht wirklich spüren. Bei uns in der Familie wurde auch nie offen über Gefühle geredet. Mindestens seit meiner Jugend gab es diesen Mechanismus, Gefühle einfach beiseite zu packen, weil ja immer irgendetwas anstand: Schule, Abitur, Studium, Job. Ich funktionierte, statt zu leben.”

Psychedelic Retreat Erfahrungsbericht

Warum Sebastian sich für ein Psychedelic Retreat entschieden hat

“Mit Psychedelika hatte ich zuvor nichts am Hut. Ich war sogar eher skeptisch. Als Chemiker hatte ich schon von Albert Hofmann und seinem LSD-25 gelesen, aber für mich waren das Dinge, die „andere Menschen“ konsumierten – spirituelle Typen, Künstler, Aussteiger. Ich war keiner davon. Zumindest dachte ich das.


Der Wendepunkt kam, als mein Körper und mein Unterbewusstsein anfingen, mir Grenzen zu zeigen. Schlafprobleme, ständige Anspannung, innere Leere. Gleichzeitig wuchs in mir die Frage, warum ich keinen Zugang zu meinen Emotionen hatte.


Ein Freund, der selbst bereits psychedelische Erfahrungen gemacht hatte, erwähnte irgendwann ein Psychedelic Retreat. Statt mich auszulachen, wenn ich meinte, dass ich „nichts fühle“, sagte er: „Genau deshalb wäre es vielleicht etwas für dich.“


Nach Wochen der Recherche und der inneren Diskussion, ob ich so etwas tatsächlich wagen sollte, stieß ich auf das Retreat-Angebot von MODERNmind. Zu meiner Erleichterung fand ich diesen Anbieter, der psychedelische Retreats in Deutschland unter Einbezug von aktuellen Erkenntnissen der Psychologie legal anbot.


Ich musste ohnehin dringend Urlaub nehmen, etwas Abstand zu meinem Job gewinnen und mich selbst irgendwie wiederfinden – und so entschied ich mich, es zu versuchen.”

Psychedelic Retreat Erfahrungsbericht

Bewerbung & Screening

"Nachdem ich meine Bewerbung über die Website abgeschickt hatte, war ich nervös, ob das alles schlussendlich klappen würde. Ich fragte mich, ob meine mentale Gesundheit und mein Mind-Set eine Teilnahme zuließen, denn genau das wurde zuvor sorgfältig geprüft.


Umso mehr freute ich mich, als ich die Nachricht erhielt, dass einem Psychedelic Retreat nichts im Wege steht. Die Suche nach mir selbst konnte also beginnen."

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Ankommen: Zwischen Skepsis und Hoffnung

“Schon als ich am Retreat-Ort ankam, merkte ich, wie sehr ich in meinem Kopf lebe. Die anderen Teilnehmenden wirkten offen, manche emotional, manche spirituell. Ich stand daneben und fühlte mich wie ein Wissenschaftler, der ein Experiment beobachtet. Aber ich fühlte mich durch den freundlichen Empfang dennoch direkt wohl und nach kurzer Zeit auch als Teil der Gruppe. 


Die vorbereitenden Gespräche und Rituale waren für mich ein wichtiger Anker. Die Betreuung durch die Fachkräfte war professionell, strukturiert und angenehm unaufgeregt. Nichts Mystisches, nichts Übertriebenes – eher wie ein sehr ausführliches, ehrliches Beratungsgespräch durch Psychologinnen. Diese Fachleute gaben mir Sicherheit.


Die Leitung der Guides hat mir auch definitiv geholfen, selbst einmal Kontrolle abzugeben und mich auf die Erfahrung einzulassen: Ich habe durch die Professionalität der Anwesenden gespürt, dass ich versorgt und umsorgt war, dass alles sicher ist und ich vertrauen kann. Ich habe mich gewagt, meinen Blick nach innen zu richten, was ich so viele Jahre vermieden hatte.”

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Die Erfahrung: Kontrolle loslassen – zum ersten Mal seit Jahren

“Die eigentliche psychedelische Sitzung war für mich ein Wendepunkt. Ich hatte befürchtet, dass „nichts passiert“, dass ich zu verkopft bin oder zu rational, um mich auf so etwas einzulassen.


Doch das Gegenteil trat ein – allerdings ganz anders, als ich erwartet hatte.

Es gab keinen spektakulären visuellen „Trip“, wie man es aus Filmen kennt. 


Stattdessen war es, als würden sich Türen, die jahrelang verschlossen waren, langsam öffnen. Ich erlebte meine Emotionen nicht als Überwältigung, sondern als etwas, das ich zum ersten Mal seit Langem wieder berühren konnte.


Ich sah Situationen aus meiner Kindheit: Meinen Hund Lucky, mit dem ich aufgewachsen war, das Lächeln meiner seit Jahren verstorbenen Oma, mich selbst als schüchternen Jungen bei meiner Einschulung, die Streitigkeiten meiner Eltern, meine beste Freundin aus Schultagen. Ich fühlte all die Aufregung, Freude, Angst, Wut und Trauer, die ich irgendwie einfach aus meinem Bewusstsein verdrängt hatte. Aber mein Gehirn hatte sie abgespeichert. 


Und ich verstand, dass mein Bedürfnis nach Kontrolle nicht nur beruflich nützlich war, sondern ein Schutzmechanismus, der irgendwann einfach zu viel Raum und dann mich eingenommen hatte.

Zum ersten Mal seit Jahren konnte ich weinen – aus Schmerz, aber auch aus einer Mischung aus Erleichterung, Dankbarkeit und Erkenntnis. Es war ein stilles, sehr persönliches Weinen – aber es fühlte sich echt an. Und irgendwie befreiend. Die Begleitung dabei war geprägt von Verständnis und Menschlichkeit.”

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Die Integration: kleine Schritte, große Wirkung

“Was mich nachhaltig beeindruckt hat, ist der Teil nach der eigentlichen Erfahrung. Die Integration half mir, meine Erkenntnisse in etwas Greifbares zu übersetzen.

Ich ging nicht als „neuer Mensch“ nach Hause – das wäre auch unrealistisch gewesen. Aber ich ging als ein Mensch, der sich selbst wieder etwas nähergekommen ist.


In den Wochen danach bemerkte ich kleine Veränderungen:


  • Ich habe begonnen, mich mit meiner Vergangenheit auseinanderzusetzen, statt sie zu verdrängen.

  • Ich hörte anderen wirklich zu, statt mein Gegenüber bloß zu analysieren.

  • Selbstreflexion hat die permanente Selbstkritik in meinem Alltag ersetzt.

  • Der Umgang mit meinen eigenen Gefühlen hat sich verändert: Ich lasse sie zu.”

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Sebastians Fazit

“Für jemanden wie mich – Wissenschaftler, rational, kontrolliert, beruflich stark in Zahlen verankert – war das Retreat eine der ehrlichsten Erfahrungen meines Lebens.


Ich habe gelernt, dass Psychedelika nichts Mystisches sind, das nur für bestimmte Menschen funktioniert. In einem sicheren, professionellen Setting können sie ein Werkzeug sein – eines, das Perspektiven nach innen öffnet, gerade wenn man dort lange nicht hingeschaut hat.

Das Retreat hat mir eine wichtige Frage eröffnet: Wie will ich eigentlich leben?


Ich war emotional in der Nähe einer Gruppe zuvor vollkommen fremder Menschen, die sich plötzlich so nah und verbunden angefühlt haben. Ich habe angefangen, wieder zu fühlen. Mein Interesse als Forscher wurde für neue Bereiche geöffnet.


Und allein das war die Reise wert.”

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Natascha

ist Philologin und Archäologin und fasziniert davon, wie psychedelische Substanzen seit Jahrhunderten die menschliche Kulturgeschichte beeinflussen. Später führte sie ihr Weg ins Psychologiestudium, wo ihre Neugier auf die therapeutischen Möglichkeiten von Psychedelika noch stärker wurde. Heute begeistert sie vor allem die Frage, welches Potenzial diese besonderen Moleküle für Therapien, Wachstum, Selbstentfaltung und die Entwicklung unserer Persönlichkeit bereithalten.