LSD-Derivate rücken seit einigen Jahren zunehmend in den Fokus von Forschung, psychonautischer Community und interessierter Öffentlichkeit.
Während das klassische LSD-25 als eine der bekanntesten Drogen in vielen Ländern verboten ist, entstehen kontinuierlich neue Varianten, die chemisch leicht verändert sind und sich dadurch teilweise in einer rechtlichen Grauzone bewegen.
Doch was genau sind LSD-Derivate eigentlich? Worin unterscheiden sich Substanzen wie 1S-LSD, 1P-LSD oder moderne Vertreter wie 1Fe-LSD und 1BP-LSD? Und welche Rolle spielen sie aktuell in der Wissenschaft und in Erfahrungsberichten?
In diesem Artikel bekommst du einen verständlichen Überblick über LSD-Derivate, ihre Unterschiede, ihre rechtliche Einordnung sowie den aktuellen Stand rund um moderne Entwicklungen.
Viel Spaß beim Lesen!
Hinweis: LSD-Derivate wie 1Fe-LSD und 1BP-LSD sind nicht für den menschlichen Verzehr bestimmt. Alle beschriebenen Inhalte basieren auf wissenschaftlichen Quellen oder subjektiven Erfahrungsberichten und sind nicht als Anleitung oder Empfehlung zu verstehen.
Inhaltsverzeichnis:
1S-LSD, AL-LAD & Co: Was sind LSD-Derivate?
LSD-Derivate (synonym auch LSD-Analoga genannt) sind chemisch leicht veränderte Varianten des klassischen, von Albert Hofmann entwickelten LSD-25 (Lysergsäurediethylamid, Acid).
Bei ihrer Konstruktion wird das Grundmolekül gezielt modifiziert, meist durch Veränderungen an der Seitenkette, die am Indolring hängt. Diese Anpassungen führen dazu, dass neue Substanzen entstehen, die strukturell eng mit klassischem Lysergsäurediethylamid verwandt sind, sich jedoch in bestimmten Eigenschaften unterscheiden können und die vorerst nicht von geltenden Regulationen betroffen sind.
Viele dieser Derivate fungieren als sogenannte LSD-Prodrugs. Das bedeutet: Sie werden im Körper durch Abspaltungs- und Stoffwechselprozesse in das eigentlich wirksame LSD umgewandelt oder entfalten nach der Metabolisierung eine sehr ähnliche Wirkung.
Warum gibt es LSD-Analoga?
Die systematische Entwicklung von LSD-Derivaten in hochspezialisierten Laboren hat mehrere Hintergründe:
Forschung: Wissenschaftler untersuchen Struktur-Wirkungs-Beziehungen
Pharmakologie: Wunsch nach Verständnis von Wirkmechanismen im Gehirn
Rechtlicher Kontext: Umgehung bestehender Verbote durch neue, nicht von Verboten erfassten Molekül-Varianten (das sogenannte “legal by design”-Prinzip)
Neugier und Exploration: Interesse an veränderten Bewusstseinszuständen
Gerade der rechtliche Aspekt spielt eine zentrale Rolle: Neue Derivate entstehen oft schneller, als gesetzliche Regelungen angepasst werden.
Überblick: Bekannte LSD-Derivate
In den vergangenen Jahren sind zahlreiche LSD-Analoga aufgetaucht und nach Verbotsverfahren wieder vom Markt verschwunden, darunter:
1P-LSD
1cP-LSD
1V-LSD
AL-LAD
1B-LSD
Diese Substanzen waren aufgrund ihrer fehlenden Regulierung in der psychonautischen Community bis zu ihren Verboten stets sehr beliebt, weil sie rechtlich in einem Graubereich liegen und, im Gegensatz zum LSD-Konsum, bei Gebrauch keine Strafe droht.
Von der Grundsubstanz LSD-25 unterscheiden sie sich meist nur in kleinen chemischen Details, können aber dennoch Unterschiede in Wirkung, Dauer, Farbe oder Intensität aufweisen.
Durch die Unterschiede in ihrer jeweiligen molaren Masse müssen zudem die Dosierungen der LSD-Varianten angepasst werden, um eine mit normalem LSD vergleichbare Wirkintensität erreichen zu können.
Rechtliche Entwicklung und verbotene Derivate
Das Neue-psychoaktive-Stoffe-Gesetz ist eine Besonderheit in der deutschen Drogenpolitik: Es erfasst Stoffgruppen, um die Rechtslage gezielt und zeitnah an die ständigen Veränderungen in der Welt der Forschungschemikalien anzupassen. Im Gegensatz dazu reguliert das Betäubungsmittelgesetz gezielt bestimmte Einzelsubstanzen, darunter Medikamente, Drogen und sogar bestimmte Pflanzen, um Missbrauch zu verhindern.
In der Vergangenheit wurden viele LSD-Derivate nach ihrer Markteinführung relativ schnell gesetzlich erfasst und verboten: Ein Beispiel ist 1D-LSD, das nach seiner Einführung in Deutschland zunächst legal erhältlich war, nach einer Änderung jedoch mittlerweile unter das Neue-psychoaktive-Stoffe-Gesetz (NpSG) fällt.
Dieses Katz-und-Maus-Spiel ist bei den Verbotsverfahren rund um neue psychoaktive Stoffe typisch:
eine neue Substanz erscheint
sie findet Verbreitung auf dem Markt
es erfolgt eine gesetzliche Anpassung
kurze Zeit danach tritt das endgültige Verbot in Kraft
eine neue, nicht vom Verbot erfasste Substanz wird entwickelt und die Vorgänge wiederholen sich
Dadurch entsteht ein fortlaufendes „Katz-und-Maus-Spiel“ zwischen chemischer Entwicklung und Gesetzgebung: Einer der Gründe, warum es ständig neue LSD-Versionen auf dem Markt gibt.
Moderne LSD-Derivate: 1Fe-LSD und 1BP-LSD im Fokus
Aktuell stehen insbesondere 1Fe-LSD und 1BP-LSD im Mittelpunkt des Interesses. Sie sind die momentan straffrei erhältlichen LSD-Derivate, die als Nachfolger von 1S- bzw. 1SB-LSD auf den Markt gebracht wurden.
1Fe-LSD
1Fe-LSD zeichnet sich durch eine spezifische chemische Struktur aus, bei der unter anderem ein Ferrocen-Baustein integriert ist. Diese Modifikation erhöht die molare Masse des Moleküls deutlich im Vergleich zu LSD-25, sorgt aber auch dafür, dass diese LSD-Variante nach aktuellem Stand (04/2026) legal verfügbar ist.
In der Praxis bedeutet das: Für eine vergleichbare Wirkung wird eine höhere Mikrogramm-Dosis benötigt
1BP-LSD
Auch 1BP-LSD gehört zu den neueren LSD-Derivaten und weist eine veränderte Seitenkette mit einem borhaltigen Heterozyklus auf. Durch diese Anpassung ist 1BP-LSD momentan (Stand: 04/2026) in Deutschland legal erhältlich.
Ähnlich wie bei anderen Analoga gilt auch hier: Die Substanz wird vermutlich im Körper metabolisiert und entfaltet eine LSD-ähnliche Wirkung.
Rechtliche Einordnung (Stand: April 2026)
Zum jetzigen Zeitpunkt fallen einige moderne LSD Derivate, darunter 1Fe-LSD und 1BP-LSD, noch nicht explizit unter das BtMG oder NpSG und können daher in Deutschland teilweise legal erhältlich sein. [1]
Sie sind als explizite Forschungschemikalien jedoch nicht für die Einnahme durch den Menschen bestimmt und besitzen auch keine dementsprechenden Prüfungen oder Zulassungen.
Wichtig: Diese Situation kann sich jederzeit ändern.
Unterschiede in Wirkung und Dosierung
Obwohl viele LSD-Derivate strukturell ähnlich sind, gibt es Unterschiede in:
Dosierung (bedingt durch molare Masse)
subjektiver Intensität
Ein zentraler Punkt ist die Umrechnung zur LSD-25-Wirkung: Da einige Derivate hinsichtlich ihrer molaren Masse schwerer sind, braucht es rechnerisch eine höhere Menge, um eine vergleichbare Effektstärke zu erreichen.
Gleichzeitig zeigen Erfahrungsberichte, dass die Unterschiede oft subtil sind und stark von individuellen Faktoren wie Set und Setting abhängen.
Forschung und wissenschaftliche Perspektiven
Die wissenschaftliche Forschung zu LSD und anderen Psychedelika erlebt derzeit ein Wiederaufleben, die sogenannte “Psychedelic Renaissance”.
Studien untersuchen unter anderem:
mögliche therapeutische Anwendungen bei Depressionen [2,3]
Behandlung von Angststörungen [4]
Einsatz bei posttraumatischen Belastungsstörungen (PTBS) [5]
Einfluss auf das sogenannte Default Mode Network im Gehirn [6]
LSD-Derivate spielen hierbei eine indirekte Rolle, da sie helfen können, Wirkmechanismen besser zu verstehen und neue pharmakologische Ansätze zu entwickeln.
Allerdings ist die Datenlage zu vielen neuen Derivaten – insbesondere 1Fe-LSD und 1BP-LSD – noch begrenzt und beruht vielmehr auf einzelnen Erfahrungsberichten als auf wissenschaftlichen Erkenntnissen.
Risiken und Hinweise
Auch wenn LSD-Derivate teilweise legal erhältlich sind, bedeutet das nicht automatisch, dass sie risikofrei sind.
Mögliche Risiken umfassen:
psychische Überforderung oder Angstzustände ("Horrortrip")
unvorhersehbare Reaktionen
fehlende Langzeitstudien
Unsicherheiten bezüglich Reinheit, Dosierung und Zusammensetzung
Nachweisbarkeit im Straßenverkehr oder am Arbeitsplatz
Für einen gelungenen Trip besonders wichtig sind Faktoren wie:
Set (innere Verfassung)
Setting (Umgebung)
Erfahrung und Vorbereitung
Fazit
LSD-Derivate sind ein spannendes und zugleich komplexes Feld zwischen Chemie, Gesetzgeber und forscherischem Interesse.
Während ältere Varianten wie 1SB-LSD inzwischen verboten sind, stehen moderne Substanzen wie 1Fe-LSD und 1BP-LSD aktuell im Fokus. Sie zeigen, wie dynamisch sich dieser Bereich entwickelt und wie eng wissenschaftliche Neugier, Marktmechanismen und Gesetzesänderung miteinander verknüpft sind.
Gleichzeitig bleibt festzuhalten: Die Unterschiede zwischen den Derivaten liegen oft im Detail, insbesondere in Struktur, Dosierung und rechtlicher Einordnung. Schon kleine Veränderungen in einer Atomgruppe genügen, um eine illegale Droge zumindest zeitweise legal verfügbar zu machen.
Wer sich mit LSD-Derivaten beschäftigt, sollte dies informiert, reflektiert und verantwortungsbewusst tun – mit einem klaren Verständnis dafür, dass neben der Substanz selbst vor allem Kontext, Wissen und ein verantwortungsvoller Umgang entscheidend sind.
Quellen
- [2] Galvão-Coelho N.L., Marx W., Gonzalez M., Sinclair J., de Manincor M., Perkins D., Sarris J. (2021). Classic serotonergic psychedelics for mood and depressive symptoms: a meta-analysis of mood disorder patients and healthy participants. Psychopharmacology (Berl). 2021 Feb;238(2):341-354. doi: 10.1007/s00213-020-05719-1.
- [3] Walsh C.A., Gorfinkel L., Shmulewitz D., Stohl M., Hasin D.S. (2024). Use of Lysergic Acid Diethylamide by Major Depression Status. JAMA Psychiatry. 2024 Jan 1;81(1):89-96. doi: 10.1001/jamapsychiatry.2023.3867.
- [4] Inserra A., Piot A., De Gregorio D., Gobbi G.(2023). Lysergic Acid Diethylamide (LSD) for the Treatment of Anxiety Disorders: Preclinical and Clinical Evidence. CNS Drugs. 2023 Sep;37(9):733-754. doi: 10.1007/s40263-023-01008-5.
- [5] Zaretsky T.G., Jagodnik K.M., Barsic R. et al. (2024). The Psychedelic Future of Post-Traumatic Stress Disorder Treatment. Curr Neuropharmacol. 2024;22(4):636-735. doi: 10.2174/1570159X22666231027111147.
- [6] Gattuso J.J., Perkins D., Ruffell S. et al. (2023). Default Mode Network Modulation by Psychedelics: A Systematic Review. Int J Neuropsychopharmacol. 2023 Mar 22;26(3):155-188. doi: 10.1093/ijnp/pyac074.
