1BP-LSD Herstellung: Das Geheimnis der Entstehung bekannter LSD-Analoga
|
|
Lesezeit 6 min
|
|
Lesezeit 6 min
Die Synthese von 1BP-LSD ist kein isolierter chemischer Kunstgriff, sondern das Ergebnis einer langen Entwicklungsgeschichte rund um Lysergamide und deren strukturelle Modifikationen. Um zu verstehen, wie dieses Molekül entsteht, lohnt sich ein Blick auf das Fundament aller LSD-Derivate: das Ergolin-Gerüst, die Gewinnung der Lysergsäure und die klassische LSD-Synthese. Erst auf dieser Grundlage wird nachvollziehbar, wie gezielte Veränderungen an einzelnen Positionen neue Analoga hervorbringen – oftmals weniger aus pharmakologischen Gründen, sondern als direkte Reaktion auf rechtliche Rahmenbedingungen.
Dieser Artikel erzählt die Geschichte des Werdegangs von LSD: Vom Mutterkornpilz zu einem LSD-Derivat wie 1BP-LSD. Viel Spaß beim Lesen!
Hinweis: 1BP-LSD ist nicht für den menschlichen Verzehr bestimmt. Alle beschriebenen Inhalte basieren auf wissenschaftlichen Quellen oder subjektiven Erfahrungsberichten und sind nicht als Anleitung oder Empfehlung zu verstehen.
Inhaltsverzeichnis:
Das Herzstück von 1BP-LSD, wie auch von allen anderen Lysergamiden, ist ein komplexes, viergliedriges Ringsystem, das als Ergolin bekannt ist. Diese starre, polyzyklische Struktur ist das Ergebnis der Verschmelzung eines Indolrings mit einem Chinolin-Ringsystem. Man kann es sich als das molekulare Skelett vorstellen, das der Substanz ihre charakteristische Form und ihre Fähigkeit verleiht, an spezifische Rezeptoren im Gehirn anzudocken.
Insgesamt sind vier verschiedene dreidimensionale Anordnungen – Isomere – desselben Moleküls möglich, wobei deren exakte räumliche Struktur maßgeblich für die psychoaktive Wirkung ist.
Von diesen vier potenziellen Formen ist lediglich d-LSD diejenige, die psychedelische Effekte hervorruft. Sie ist wie ein Schlüssel, der perfekt geschliffen sein muss, um in ein bestimmtes Schloss im Gehirn zu passen. Die anderen drei Versionen sind falsch geformt und im Grunde nutzlos; sie passen nicht in das Schloss.
Die präzise Synthese von Lysergsäurediethylamid stellt eine große Herausforderung dar. Der Chemiker muss nicht nur das Molekül herstellen, sondern auch gewährleisten, dass ausschließlich die aktive Form vorliegt und die drei inaktiven Isomere entfernt werden.
Die Herstellung von Lysergamiden ist ein semi-synthetischer Prozess, der mit einem Naturstoff beginnt: der Lysergsäure. Diese Säure ist der gemeinsame chemische Vorläufer der gesamten Stoffklasse und wird aus Mutterkorn-Alkaloiden gewonnen. Dieser Prozess gelang dem Schweizer Albert Hofmann bereits in den 1940er Jahren.
Das Mutterkorn ist die Dauerform des Pilzes Claviceps purpurea, der vor allem Roggen und andere Getreidearten befällt. Dieser produziert eine Reihe hochwirksamer Alkaloide, darunter Ergotamin und Ergometrin.
Mutterkorn hat früher, vor allem durch den Konsum von verunreinigtem Getreide und Brot, die ziemlich gefährliche Vergiftungskrankheit „Antoniusfeuer“ ausgelöst. Diese verursachte bei betroffenen Menschen Halluzinationen und einen Rausch aus, der Psychosen ähnelte. Gleichzeitig fanden die gefäßverengenden und uteruskontrahierenden Eigenschaften des Mutterkorns über Jahrhunderte in der Geburtshilfe Anwendung.
Für die chemische Synthese von Lysergsäurediethylamid ist die Lysergsäure der entscheidende Baustein. Sie kann auf zwei Hauptwegen gewonnen werden:
1. Extraktion und Hydrolyse: Der traditionelle Weg, den auch Albert Hofmann beschritt, besteht darin, spezifische Alkaloide wie Ergotamin aus dem Mutterkorn zu extrahieren. Durch einen chemischen Prozess, die alkalische Hydrolyse (z.B. durch Kochen mit Kalilauge), wird die Amidbindung des Ergotamins gespalten, wodurch Lysergsäure freigesetzt wird.
2. Fermentation: Moderne biotechnologische Verfahren ermöglichen die Produktion von Lysergsäure durch Fermentation mit spezifischen Stämmen des Claviceps-Pilzes in großen Bioreaktoren.
Schritt 1 - Rückgratstruktur: Lysergsäure, die aus Mutterkorn auf Roggen gewonnen wird.
Obwohl die Totalsynthese von Lysergsäure aus einfachen chemischen Vorläufern möglich ist und seit Robert B. Woodwards bahnbrechender Arbeit in den 1950er Jahren mehrfach demonstriert wurde, ist sie extrem aufwendig und langwierig. Aus diesem Grund ist für die kommerzielle Produktion der semisynthetische Weg aus natürlich gewonnenen Ergot-Alkaloiden nach wie vor die weitaus gebräuchlichste Methode.
Sobald reine d-Lysergsäure verfügbar ist, folgt der letzte entscheidende Schritt zur Herstellung von LSD-25: die Amidierung. Dabei wird die Carbonsäuregruppe (-COOH) an Position C8 des Ergolin-Rings in eine Diethylamidgruppe (-CON(C2H5)2) umgewandelt.
Dieser Prozess erfordert zwei Schritte:
1. Aktivierung der Carbonsäure: Die Carbonsäuregruppe muss zunächst in eine reaktivere Form überführt werden, damit sie mit Diethylamin reagieren kann. Dies kann mit verschiedenen Reagenzien erreicht werden. In der klassischen Laborsynthese werden oft Thionylchlorid (SOCl2) oder Trifluoressigsäureanhydrid verwendet, um ein reaktives Säurechlorid bzw. ein gemischtes Anhydrid zu bilden. Moderne Methoden verwenden oft schonendere Peptidkupplungsreagenzien wie T3P (Propanphosphonsäureanhydrid), die in der pharmazeutischen Industrie gebräuchlich sind, um Nebenreaktionen zu minimieren. Die ursprüngliche Patentsynthese von Hofmann und Stoll nutzte einen Weg über Lysergsäureazid.
2. Reaktion mit Diethylamin: Das aktivierte Lysergsäure-Derivat wird dann mit Diethylamin umgesetzt. Das Stickstoffatom des Diethylamins greift die aktivierte Carboxylgruppe an und bildet die stabile Amidbindung, die für LSD-25 charakteristisch ist.
Schritt 2 – LSD Synthese: Rückgratstruktur (Lysergsäure) wird aktiviert und Diethylamin hinzugefügt.
Dieser Prozess ist heikel und erfordert präzise Kontrolle der Reaktionsbedingungen, um die Zersetzung des empfindlichen Ergolin-Gerüsts zu vermeiden und die Bildung des unerwünschten iso-LSD-Isomers zu minimieren.
Die Herstellung 1BP-LSD erfordert einen weiteren Syntheseschritt nach der Bildung des LSD-Moleküls. Die Modifikation findet am Stickstoffatom an der Position 1 (N1) des Indolrings statt. Dieses Stickstoffatom ist eine reaktive Stelle am Molekül und ein häufiges Ziel für chemische Veränderungen, um die pharmakologischen Eigenschaften zu verändern oder – wie in diesem Fall – rechtliche Hürden zu umgehen.
Die Synthese von 1BP-LSD aus LSD erfolgt durch die Verknüpfung einer Seitenkette als Amidbindung. Bei 1BP-LSD wird hierzu am Indolstickstoff eine Seitengruppe mit einem borhaltigen Heterozyklus angefügt. Die Seitenkette enthält also ein Bor-Atom.
Die Wahl dieser spezifischen Kette ist, wie bereits erwähnt, kein Zufall. Sie ist das Ergebnis einer sorgfältigen Analyse des Neue-psychoaktive-Stoffe-Gesetzes (NpSG), um eine Struktur zu finden, die nicht von den bestehenden Verboten abgedeckt ist. Die Synthese von 1BP-LSD ist somit ein Paradebeispiel für „legal-by-design“-Chemie, bei der das Moleküldesign von juristischen Texten und nicht von pharmakologischen Überlegungen geleitet wird.
Die Synthese von Lysergamiden ist alles andere als trivial und stellt selbst für erfahrene Chemiker eine Herausforderung dar. Dies hat mehrere Gründe:
Empfindlichkeit: Das Ergolin-Grundgerüst ist äußerst empfindlich gegenüber Hitze, Licht, Sauerstoff und bestimmten Chemikalien. Die Moleküle können leicht zerfallen oder sich in inaktive Isomere umlagern, wenn die Reaktionsbedingungen nicht exakt kontrolliert werden.
Reinigung: Die Synthesereaktionen erzeugen unweigerlich ein Gemisch aus dem gewünschten Produkt (d-LSD oder d-1S-LSD), dem inaktiven Isomer (iso-LSD) und anderen Nebenprodukten. Die Trennung dieser sehr ähnlichen Moleküle erfordert anspruchsvolle Reinigungsmethoden wie die Säulenchromatographie. In klandestinen Laboren wird dieser Schritt oft vernachlässigt, was zu Produkten von geringer Reinheit und unvorhersehbarer Potenz führt.
Stabilität: Die freie Base von LSD ist instabil. Um die Haltbarkeit zu erhöhen, wird die Substanz üblicherweise in ein Salz umgewandelt. Meistens handelt es sich dabei um das Tartrat-Salz, welches als kristalliner Feststoff stabiler ist und sich leichter handhaben und dosieren lässt. Typischerweise wird 1S-LSD als Hemi-D-Tartrat vertrieben.
Sicherheit: Die Synthese erfordert den Umgang mit reaktiven und gefährlichen Chemikalien wie Thionylchlorid, das bei Kontakt mit Wasser ätzende Gase freisetzt, oder giftigen Lösungsmitteln. Ohne professionelle Laborausstattung und Sicherheitsvorkehrungen sind die Risiken von Unfällen, Bränden und Vergiftungen enorm.
Diese Komplexität führt dazu, dass die Produktion von hochwertigen Lysergamiden wahrscheinlich auf eine sehr kleine Anzahl von gut ausgestatteten Laboren und erfahrenen Chemikern beschränkt ist. Dies steht in starkem Kontrast zur Produktion anderer synthetischer Drogen, die mit einfacheren Mitteln hergestellt werden können. Dies erklärt auch die oft hohen Preise und die schwankende Verfügbarkeit.
Die Herstellung von LSD-Derivaten wie 1D-LSD oder 1BP-LSD ist ein präzises Handwerk der Chemie, um gesetzliche Verbote zu umgehen, aber dennoch Halluzinogene zugänglich machen zu können.
Dieser Prozess zeigt eindrücklich, wie eng chemisches Design und rechtliche Grenzen miteinander verflochten sind. Obwohl die grundlegenden Schritte auf der klassischen LSD-Synthese beruhen, erfordert jede zusätzliche Modifikation am Molekül ein hohes Maß an Präzision, um Stabilität, Reinheit und Wirksamkeit zu gewährleisten. Gleichzeitig bleibt der gesamte Prozess durch die Empfindlichkeit des Ergolin-Gerüsts technisch anspruchsvoll und nur unter professionellen Bedingungen zuverlässig umsetzbar. Am Ende stehen Halluzinogene wie 1BP-LSD, die weniger aus wissenschaftlicher Forschung sondern vielmehr aus regulatorischen Überlegungen und dem Wunsch nach ähnlicher Wirkung entstanden sind – ein typisches Beispiel für moderne „legal-by-design“-Chemie.