Das Schnupfpulver Rapé (Ha-Peh) wird von den Stämmen des Amazonasbeckens seit über 5000 Jahren als Medizin angesehen und in Ritualen traditionell über die Nase aufgenommen. Durch Onlineshops, Fernsehsendungen und die psychonautische Community wird es in letzter Zeit auch in Deutschland immer bekannter.
Beim Konsum von Rapé wird das fein gemahlene Pulver in vielen überlieferten Anwendungsformen nicht einfach eingesogen, sondern mithilfe einer speziellen Pfeife in die Nasenlöcher geblasen. Besonders bedeutsam sind dabei die beiden Pfeifen Kuripe und Tepi.
Doch Interessierte werden sich fragen: Durch was unterscheiden sich die beiden Applikatoren und welche Konsumformen gibt es für Rapé? Und welche Bedeutung hat die Art der Anwendung innerhalb traditioneller Praktiken?
Dieser Artikel beleuchtet die verschiedenen Rapé Konsumformen und die Funktion von Kuripe und Tepi.
Viel Spaß beim Lesen!
Inhaltsverzeichnis:
Wie wird Rapé traditionell konsumiert?
Rapé wird traditionell als Nasenschnupfpulver verwendet. Die Aufnahme erfolgt über die Nasenschleimhaut, wobei das Pulver in die Nasenlöcher eingebracht wird. In ethnografischen Beschreibungen wird hierfür häufig eine spezielle Blaspfeife verwendet.
Welche Form der Anwendung zum Einsatz kommt, hängt unter anderem von der jeweiligen Gemeinschaft und ihrer Tradition ab. Besonders häufig werden dabei zwei Instrumente genannt: das Kuripe, das für die Selbstanwendung verwendet wird, und das Tepi, mit dem eine andere Person das Rapé appliziert. Die Begriffe und konkreten Praktiken können sich je nach kulturellem Kontext unterscheiden.
Kuripe: Rapé zur Selbstanwendung
Das Kuripe – in wissenschaftlichen Quellen teilweise auch als Curipe oder Kuxipa bezeichnet – ist ein kleines, kurzes, meist V-förmiges Rohr. Es verbindet Mund und Nasenbereich miteinander und ermöglicht dadurch die Selbstanwendung von Rapé.
Das Pulver wird dabei über das Röhrchen in die Nasenlöcher eingebracht. Das Kuripe eignet sich somit vor allem für eine persönliche Anwendung, bei der keine zweite Person benötigt wird.
In verschiedenen Beschreibungen traditioneller Rapé-Praktiken wird das Kuripe als eines der typischen Instrumente für die Selbstapplikation genannt. Gleichzeitig sollte man nicht von einer einzigen, überall identischen Tradition ausgehen: Form, Material und konkrete Verwendung können sich zwischen verschiedenen Gemeinschaften unterscheiden.
Tepi: Rapé durch eine andere Person
Das Tepi ist ebenfalls eine Applikationshilfe zur nasalen Anwendung von Rapé. Anders als beim Kuripe wird das Instrument jedoch von einer zweiten Person verwendet. Diese bringt das Pulver in die Nasenlöcher der empfangenden Person ein. Diese Nutzung des speziellen Blasrohres, das zwei Personen erfordert, ist die traditionelle Art der Anwendung von Rapé.
Damit unterscheidet sich die Anwendung nicht nur technisch, sondern auch in ihrem sozialen Charakter von der Selbstanwendung mit dem Kuripe. In traditionellen und zeremoniellen Kontexten kann die Verabreichung durch eine andere Person Teil des jeweiligen Rituals sein.
Auch beim Tepi gibt es unterschiedliche Bezeichnungen und Ausführungen. In wissenschaftlichen Quellen findet sich beispielsweise die Schreibweise Tipí. Welche Form und Bedeutung das Instrument hat, hängt vom jeweiligen kulturellen Zusammenhang ab.
Kuripe oder Tepi – wo liegt der Unterschied?
Der wichtigste Unterschied zwischen den beiden bekannten Rapé-Pfeifen liegt darin, wer die Anwendung durchführt:
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Kuripe |
Tepi |
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Anwendung |
Selbstanwendung |
Anwendung durch eine andere Person |
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Bauform |
Rohr meist kurz und V-förmig |
längeres Rohr |
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Beteiligte Personen |
eine Person |
zwei Personen |
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Verwendung |
persönliche Anwendung |
häufig im sozialen oder zeremoniellen Kontext |
Diese Unterscheidung ist jedoch nicht als weltweit einheitliche Regel zu verstehen. Rapé wird in unterschiedlichen indigenen Gemeinschaften und kulturellen Kontexten verwendet, weshalb auch die verwendeten Instrumente und Rituale variieren können.
Warum wird Rapé über die Nase aufgenommen?
Die nasale Anwendung ist ein charakteristisches Merkmal von Rapé. Wissenschaftliche Untersuchungen beschreiben Rapé als eine vielfältige Gruppe pflanzlicher Schnupfprodukte, die häufig Tabak enthalten und über die Nase aufgenommen werden. Bei tabakhaltigen Varianten spielt insbesondere Nikotin aus Nicotiana rustica oder seltener auch Nicotiana tabacum eine wichtige Rolle bei der Wirkung.
Die Wirkung von Rapé tritt nach der nasalen Aufnahme des Pulvers quasi sofort ein und dauert etwa 5- 15 Minuten.
Dabei kann sich die Zusammensetzung von Rapé erheblich unterscheiden. Neben getrocknetem und fein gemahlenem Tabak können beispielsweise Pflanzenmaterialien oder alkalische Aschen enthalten sein. Diese speziellen Aschen (oft Tsunu oder Murici) erhöhen den pH-Wert der Pulvermischung und verbessern dadurch die Aufnahme des Nikotins. Untersuchungen verschiedener Rapé-Produkte zeigten entsprechend deutliche Unterschiede bei pH-Wert und Nikotingehalten. Verschiedene Sorten von Rapé haben unterschiedliche Wirkprofile.
Die nasale Aufnahme sollte deshalb nicht automatisch mit einer bestimmten Wirkung oder einem einheitlichen Wirkprofil gleichgesetzt werden. Entscheidend ist immer auch, welche Inhaltsstoffe tatsächlich in der jeweiligen Mischung enthalten sind. Zudem sollte die Dosierung von Rapé vorsichtig erfolgen, da die Mischungen sehr stark sein können. Als optimal gilt laut Erfahrungsberichten eine etwa erbsengroße Menge pro Nasenloch.
Gibt es weitere Arten für den Konsum von Rapé?
Die nasale Anwendung gilt als die charakteristische Konsumform von Rapé. Allerdings existieren in den verschiedenen indigenen Traditionen Südamerikas zahlreiche weitere Formen der Tabakverwendung, darunter beispielsweise das Rauchen oder Kauen oder die Nutzung als Räucherwerk.
Diese unterschiedlichen Praktiken sollten jedoch nicht automatisch als weitere typische, für Rapé typische Konsumformen bezeichnet werden. Die unterschiedlichen Rapé Sorten werden in der wissenschaftlichen Literatur überwiegend als eine Form von nasal angewendetem Schnupftabak beschrieben.
Andere traditionelle Tabakzubereitungen können sich hinsichtlich Zusammensetzung, Anwendung und kultureller Bedeutung deutlich davon unterscheiden.
Fazit: Die wichtigsten Rapé Konsumformen
Bei Rapé steht bei den indigenen Völkern im Amazonasgebiet traditionell die nasale Anwendung im Mittelpunkt. Als Applikations-Werkzeuge besonders bekannt sind das Kuripe und das Tepi.
Das Kuripe ermöglicht die Selbstanwendung, was den Vorteil bietet, dass niemand anderes anwesend sein muss.
Das Tepi hingegen wird gemäß seiner Herkunft in Zeremonien und Ritualen für die Anwendung durch eine andere Person verwendet. Welche Pfeife und welche konkrete Form der Anwendung zum Einsatz kommt, kann allerdings je nach Tradition und kulturellem Kontext unterschiedlich sein.
Bei beiden sollte die Anwendung in einer ruhigen Umgebung und mit maßvoller Dosierung erfolgen.
Wer sich mit Rapé beschäftigt, sollte deshalb zwischen den allgemein beschriebenen Konsumformen und den jeweils konkreten Traditionen unterscheiden. Eine einzige, für alle Gemeinschaften gültige Form der Rapé-Anwendung gibt es nicht.
