Die Herstellung von Iboga: Vom traditionellen Pflanzenwissen bis zur modernen Forschung - MODERNmind | Psychedelics & Retreats für dein Wohlbefinden

Die Herstellung von Iboga: Vom traditionellen Pflanzenwissen bis zur modernen Forschung

Autor: Natascha

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Lesezeit 4 min

Diese besondere Pflanze mit dem botanischen Namen Tabernanthe iboga fasziniert seit Jahrhunderten Menschen in West- und Zentralafrika – und inzwischen auch Forscher und Pharmakologen weltweit.


Doch wie wird Iboga eigentlich gewonnen? Welche Rolle spielt die traditionelle Verarbeitung? Und wie entsteht der Wirkstoff Ibogain, der in der modernen Wissenschaft immer mehr Aufmerksamkeit erhält?


Dieser Artikel nimmt dich mit auf eine Reise durch die Geschichte von Iboga: Von der indigenen Nutzung der Wurzelrinde bis zur vollständigen pharmazeutischen Synthese – informativ, verständlich und ohne unnötige Mystifizierung.

Viel Spaß beim Lesen des Blogbeitrags! 


Hinweis: Alle beschriebenen Inhalte basieren auf wissenschaftlichen Quellen oder subjektiven Erfahrungsberichten und sind nicht als Anleitung oder Empfehlung für den Verzehr von Iboga zu verstehen.

Wie wird Iboga hergestellt?

Der Weg des traditionellen Iboga: Vom Tabernanthe iboga-Strauch zum Initiationsmittel

Tabernanthe iboga ist ein immergrüner Strauch, der hauptsächlich in Gabun und Kamerun wächst. Traditionelle Heiler Afrikas und Anhänger der Bwiti-Gemeinschaften nutzen in ihren Ritualen vor allem die Wurzelrinde, denn dort befindet sich die höchste Konzentration an Alkaloiden, darunter der bekannte Wirkstoff Ibogain. Die psychedelische Wirkung der Iboga-Wurzel findet vor allem in Initiationsriten Verwendung, wo sie für spirituelle Erfahrungen sorgen kann.


Der traditionelle Herstellungsprozess von Iboga verläuft in mehreren Schritten:


  • Ernte des Wurzelwerks, meist von älteren Pflanzen, da diese eine stabilere Alkaloidkonzentration aufweisen als Blätter oder Zweige.

  • Schonende Reinigung und Trocknung, oft in der Sonne oder über längere Zeit in einer luftigen Umgebung.


  • Mechanische Verarbeitung, bei der die trockene Rinde abgeschabt, zerkleinert oder zu Pulver zermahlen wird.

  • Zeremonielle Zubereitung, die je nach kulturellem Kontext variiert und oft rituelle Elemente wie Gesänge und Tänze beinhaltet.



Die traditionelle Herstellung ist nicht mit einer westlichen „Produktion“ vergleichbar: Sie ist eingebettet in die Kultur und Spiritualität ihrer Heimat und umfasst jahrhundertealtes Wissen.

Herstellung von Iboga

Wie Iboga-Tinktur hergestellt wird

In der modernen ethnobotanischen Szene werden häufig Iboga Tinkturen erwähnt, also alkoholbasierte Extrakte aus der Wurzelrinde.


Für wissenschaftliche oder ethnobotanische Zwecke werden diese typischerweise durch:


  • Mazeration (Einlegen in Alkohol),

  • Filtration,

  • Konzentrierung

gewonnen.

Ibogainextrakt und Tinkturen dienen heute eher der standardisierten Erforschung, da sie eine gleichmäßigere Alkaloid-Konzentration bieten als rohe Pflanzenbestandteile. Das macht das Forschungsvorhaben, zum Beispiel im Rahmen von Microdosing mit Iboga, kontrollierbarer. 


Wichtig: Iboga-Tinkturen besitzen in Deutschland keine Zulassung für medizinische oder therapeutische Anwendungen; im privaten Rahmen ist Iboga legal. 

Herstellung von Iboga

Herstellung von Ibogain

Während traditionelle Nutzung die Pflanze selbst in den Mittelpunkt stellt, beschäftigt sich die moderne Forschung vor allem mit Ibogain, dem zentralen Alkaloid. Hier wird es spannend – denn Ibogain kann auf sehr unterschiedliche Weise gewonnen werden.

Von der Iboga-Pflanze zur Vollsynthese

Ursprünglich wurde Ibogain ausschließlich durch Extraktion aus der Iboga-Wurzelrinde gewonnen. Dazu nutzt man mehrstufige Laborverfahren, bei denen die Alkaloide durch Wissenschaftler isoliert und aufgereinigt werden. Dieses Vorgehen bleibt komplex, teuer und ressourcenintensiv, da die Pflanze nur in bestimmten Regionen gedeiht und langsam wächst.


Aus ökologischen Gründen und zur Standardisierung der Iboga-Dosierung wird heute in Forschungslaboren und bei Pharmaunternehmen zunehmend auf andere Wege gesetzt:


  • Halbsynthese: Alkaloide aus verwandten Pflanzen (z. B. Voacanga africana) werden chemisch in Ibogain umgewandelt.

  • Vollsynthese: Ibogain wird von Forschern komplett im Labor hergestellt – ohne botanisches Ausgangsmaterial. Diese Synthesen sind komplex, aber ermöglichen langfristig eine nachhaltige Versorgung, unabhängig von Pflanzenbeständen. Die erste Vollsynthese von Ibogain gelang G. Büchi bereits im Jahr 1966; seitdem wurden durch mehrere Autoren weitere Prozesse der Totalsynthese beschrieben.


Ziel beider Wege ist die Möglichkeit, pharmazeutisch reines Ibogain zu gewinnen, was entscheidend für klinische Studien und schlussendlich auch für die Entwicklung und Zulassung sicherer Medikamente für Betroffene und Patienten ist.

Herstellung von Iboga
Chemische Strukturformel von Ibogain

Ibogain als Arzneimittel

Obwohl Ibogain in den meisten Ländern bislang noch keine Arzneimittelzulassung besitzt, arbeiten Forscher und Pharmakologen weltweit an sicheren, reproduzierbaren Herstellungsverfahren, welche die Grundlage für die Herstellung eines klar dosierbaren Medikaments mit einer konstanten Menge an Wirkstoff darstellen.


Aktuellen Daten aus wissenschaftlichen Untersuchungen zufolge hat Ibogain Potenzial bei der Behandlung von Suchterkrankungen, als Mittel gegen Drogensucht und zur Steigerung des Wohlbefindens bei verschiedenen psychischen Erkrankungen wie Depressionen oder Angststörungen im therapeutischen Rahmen.


Dabei stehen besonders folgende Aspekte im Fokus:


  • Standardisierung der Wirkstoffmenge

  • Reinheit der Substanzen

  • Pharmakologische Sicherheitshinweise, insbesondere in Bezug auf Herz-Kreislauf-Risiken

  • Entwicklung neuer Derivate, die eine iboga-ähnliche Wirkung besitzen, aber weniger Nebenwirkungen aufweisen sollen

Die industrielle Herstellung folgt strengen Regeln der Good Manufacturing Practice (GMP) – allerdings bisher nur in Forschungsrahmen und nicht für medizinische oder therapeutische Anwendungen. Die einzige Ausnahme ist bisher Neuseeland: Hier ist ein Ibogain-Medikament zugelassen und kann in der Apotheke erworben werden. 

Herstellung von Iboga

Fazit

Die Herstellung von Ibogain und Iboga bewegt sich zwischen traditionellem Pflanzenwissen, moderner Laborarbeit, Medizin und zukunftsorientierter Pharmakologie.


Während die Bwiti-Kultur Iboga in seiner natürlichen Form nutzt und damit Jahrhunderte altes Wissen bewahrt, konzentriert sich die wissenschaftliche Welt auf isolierte Alkaloide, standardisierte Extrakte und synthetische Formen von Ibogain.


Egal ob traditionell, extrahiert oder synthetisiert: Diese Pflanze, ihr Potenzial und ihre Wirkstoffe bleiben komplex, kraftvoll und forschungsintensiv. Mit einem respektvollen Blick auf kulturelle Wurzeln und medizinischer Vorsicht entsteht ein ganzheitliches Verständnis, das sowohl die Vergangenheit als auch die Zukunft und die Potenziale von Iboga würdigt.


Mit weiterer Forschung durch Pharmafirmen und einer gezielten Herstellung von Ibogain, könnte der Ibogastrauch mit seinen einzigartigen Eigenschaften eine Ressource sein, die zukünftig eine hilfreiche Unterstützung bei medizinischen Behandlungen und Therapien ermöglicht.

Quellen

  • Iyer R. N., Favela D., Domokos A., Zhang G. et al. (2025). Efficient and modular synthesis of ibogaine and related alkaloids. Nat Chem. 2025 Mar;17(3):412-420. doi: 10.1038/s41557-024-01714-7.

  • Li G., Facchini P. J. (2024). New frontiers in the biosynthesis of psychoactive specialized metabolites. Curr Opin Plant Biol. 2024 Dec;82:102626. doi: 10.1016/j.pbi.2024.102626.

  • Hughes A. J., Hamelink C. R., Townsend S. D. (2024). Disrupting Substance Use Disorder: The Chemistry of Iboga Alkaloids. European J Org Chem. 2024 Sep 23;27(36):10.1002/ejoc.202400432. doi: 10.1002/ejoc.202400432.

Natascha

ist Philologin und Archäologin und fasziniert davon, wie psychedelische Substanzen seit Jahrhunderten die menschliche Kulturgeschichte beeinflussen. Später führte sie ihr Weg ins Psychologiestudium, wo ihre Neugier auf die therapeutischen Möglichkeiten von Psychedelika noch stärker wurde. Heute begeistert sie vor allem die Frage, welches Potenzial diese besonderen Moleküle für Therapien, Wachstum, Selbstentfaltung und die Entwicklung unserer Persönlichkeit bereithalten.